"Cool First, Transport Second" ist die zentrale Regel der präklinischen Versorgung bei belastungsbedingtem Hitzschlag. Sie bedeutet eine einfache, entscheidende Sache: die Kühlung beginnt sofort vor Ort, noch vor dem Transport ins Krankenhaus.
Dieses Protokoll ist heute vom American College of Sports Medicine, dem Internationalen Olympischen Komitee und militärischen Sanitätsdiensten weltweit anerkannt. Korrekt angewendet, senkt es die Sterblichkeit bei belastungsbedingtem Hitzschlag von über 20 Prozent auf nahezu null.
Warum nicht zuerst transportieren?
Der historische Fehler in der Versorgung des belastungsbedingten Hitzschlags war, den Patienten so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu bringen. Dieser Instinkt, so logisch er scheint, verschlechterte die Ergebnisse aus zwei Gründen:
Transportzeit ist verlorene Behandlungszeit. Während der Fahrt steigt die Körperkerntemperatur weiter, oder stagniert bestenfalls, ohne wirksame Kühlung. Jede zusätzliche Minute über 40 °C verschlimmert Hirn-, Leber- und Nierenschäden.
Notaufnahmen sind nicht immer sofort bereit. Kaltwasserimmersion im Krankenhaus erfordert eigene Vorbereitung. Patienten, die zu spät und ohne Vorkühlung eintreffen, haben das therapeutische Fenster oft bereits überschritten.
Dr. Douglas Casa (Korey Stringer Institute, University of Connecticut) hat dieses Paradox anhand tausender Fälle dokumentiert: Patienten, die schnell ohne vorherige Kühlung transportiert wurden, wiesen deutlich höhere Sterblichkeits- und Behinderungsraten auf als jene, die noch vor Ort gekühlt wurden, selbst wenn die Kühlung erst einige Minuten nach dem Kollaps begann.
Die wissenschaftliche Grundlage des Protokolls
Cool First, Transport Second beruht auf zwei grundlegenden physiologischen Tatsachen.
Das 30-Minuten-Fenster. Sinkt die Körperkerntemperatur innerhalb von 30 Minuten nach dem klinischen Ereignis wieder unter 40 °C, liegt die Überlebensrate in den vom KSI dokumentierten Fallserien bei 100 Prozent. Über 30 Minuten oberhalb von 40 °C steigt das Risiko eines Multiorganversagens exponentiell.
Die Überlegenheit der Immersion. Kaltwasserimmersion kühlt mit 0,35 °C pro Minute. Alternative Methoden erreichen nicht mehr als 0,03 °C pro Minute. Um das 30-Minuten-Fenster ausgehend von 42 °C einzuhalten, ist eine Kühlrate von mindestens 0,13 °C pro Minute erforderlich, ein Wert, den im Feld verlässlich nur die Immersion erreicht.
Praktische Anwendung des Protokolls
Schritt 1: Erkennung (0-2 Minuten)
Jeder Kollaps während oder unmittelbar nach intensiver körperlicher Anstrengung mit:
- Körperkerntemperatur ab 40 °C (tympanal oder rektal)
- Neurologischen Zeichen: Verwirrtheit, Unruhe, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle
= Verdacht auf belastungsbedingten Hitzschlag, Cool-First-Protokoll sofort aktivieren
Schritt 2: Kühlung (2-20 Minuten)
Immersionswanne aufstellen, mit kaltem Wasser und Eis füllen, Patient vollständig eintauchen (Schultern und Kopfhaut), Atemwege über der Wasseroberfläche halten.
Kontinuierliche Überwachung der Rektaltemperatur alle 5 Minuten.
Schritt 3: Rettungsdienst alarmieren (parallel)
Der Notruf erfolgt parallel zur Kühlung, nicht davor. Die Meldung lautet: "Belastungsbedingter Hitzschlag, Behandlung durch Kaltwasserimmersion läuft, Transport in die Notaufnahme sobald die Temperatur unter 38,6 °C liegt."
Schritt 4: Kühlung beenden und Transport
Patient bei 38,6 °C Rektaltemperatur aus der Wanne nehmen. Nicht auf 37 °C warten, Risiko einer Unterkühlung durch thermische Trägheit.
Übergabe an die Notaufnahme für Laborwerte (CK, Nierenfunktion, Gerinnung) und Überwachung sekundärer Komplikationen.
Was das Protokoll für Einsatzteams verändert
Vor Cool First, Transport Second improvisierten Teams mit verfügbaren Mitteln, nassen Handtüchern, Eispackungen, Ventilatoren. Diese Methoden erzeugten ein falsches Sicherheitsgefühl: Der Patient schien versorgt zu werden, während die Körperkerntemperatur weiter stieg.
Das Protokoll stellt eine klare logistische Anforderung: eine Wanne mit Wasser und Eis muss bei jedem gefährdeten Einsatz verfügbar sein.
Genau diese logistische Herausforderung löst Kollder. Die Kühlwanne ist auf jedem Untergrund stabil und lässt sich vollständig in eine Transporttasche falten, sodass Einsatzteams, Feuerwehr, militärische Sanitätsdienste, medizinische Teams bei Sportveranstaltungen, das Protokoll ohne vorhandene Infrastruktur anwenden können.
Wer sollte dieses Protokoll kennen?
- Ärzte und Pflegekräfte in feuerwehrmedizinischen Diensten
- Sanitätsoffiziere der Streitkräfte
- Medizinische Leiter von Sportveranstaltungen
- EHS-Verantwortliche in exponierten Branchen
- Medizinische und Rettungsteams bei Wettkämpfen
Der IOC-Konsens von 2021 (Hosokawa, Racinais et al., BJSM) stellt klar: Teamtraining und Ausrüstungsverfügbarkeit sind die beiden nicht verhandelbaren Voraussetzungen für die Wirksamkeit des Protokolls.
Weiterführende Informationen
- Was ist Kaltwasserimmersion?
- Notfall-Kühlwanne: Definition, Einsatz und Feldprotokoll
- Feuerwehr & Rettungsdienst
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Quellen: ACSM Expert Consensus Statement on Exertional Heat Illness 2023, IOC Adverse Weather Impact Expert Working Group Tokyo 2020 (Hosokawa, Racinais et al., BJSM 2021), Korey Stringer Institute (Dr. Douglas Casa, UConn).
Kollder ist die Notfall-Kühlwanne für Stabilität, faltbar für den Transport und mit Platz für 2 Personen gleichzeitig.
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