Während Deutschland seine tödlichste Hitzesaison seit 1992 mit fast 14.000 hitzebedingten Todesfällen verzeichnete, sahen sich die Feuerwehren einem Vegetationsbrandindex auf höchster Stufe in mehreren Bundesländern gegenüber. Für die deutsche Feuerwehr war die Hitzewelle im Juni 2026 nicht nur ein gesundheitspolitisches Thema. Sie war ein anhaltender Einsatz unter physiologischen Bedingungen, die das Land kaum mit seinem eigenen Klima verbindet.

Ein Waldbrandgefahrenindex auf höchster Stufe

Im Juni 2026 erreichte der Waldbrandgefahrenindex (WGI) in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands Stufe 4. Ab dem 25. Juni stieg er in Teilen Niedersachsens, Brandenburgs und weiterer Bundesländer auf Stufe 5, die höchste Stufe der Skala. Auch der Grasland-Feuerindex (GFI) erreichte in weiten Teilen des Landes Stufe 4.

Rückmeldungen aus dem Feuerwehrwesen spiegeln die Belastung wider: Fast die Hälfte der deutschen Feuerwehrangehörigen berichtet von zusätzlichem Stress durch Einsätze unter extremen Wetterbedingungen, und 85 Prozent des Personals erwarten in den kommenden Jahren mehr klimabedingte Extremwettereinsätze.

Ein sich überlagerndes physiologisches Risiko für deutsche Einsatzkräfte

Ein Vegetationsbrandeinsatz in Frankreich oder Südeuropa ist bekanntermaßen durch die Kombination aus Strahlungswärme der Feuerfront, Einsatzkleidung, die die Schweißverdunstung begrenzt, und anhaltender körperlicher Anstrengung gekennzeichnet. In Deutschland überlagerte sich dieses Risikoprofil zwischen dem 22. und 28. Juni mit Umgebungstemperaturen, die an 46 der rund 200 Wetterstationen des Landes selbst 40 °C überschritten, wobei der Deutsche Wetterdienst die Nacht vom 27. auf den 28. Juni als wärmste jemals gemessene Nacht verzeichnete.

Für Einsatzkräfte bei Vegetationsbränden unter diesen Bedingungen addieren sich die Risikofaktoren für belastungsbedingten Hitzschlag unmittelbar: extreme Umgebungshitze schon vor Einsatzbeginn, zusätzliche Wärmebelastung durch Ausrüstung und Anstrengung sowie Ablösungen, die, wie in dieser Saison bei Großbränden in Griechenland, Kroatien und in den Hohen Venn in Belgien dokumentiert, weit länger dauern können als ursprünglich geplant.

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Dasselbe Protokoll, eine in Deutschland noch entstehende Doktrin

Das ACSM Expert Consensus Statement 2023 und die Empfehlungen des IOC (Hosokawa Y, Racinais S et al., BJSM 2021) sind eindeutig: Bei Verdacht auf belastungsbedingten Hitzschlag bei einer Einsatzkraft muss die Kaltwasserimmersion vor Ort und vor dem Transport beginnen, mit dem Ziel, die Körperkerntemperatur innerhalb von 30 Minuten nach dem Kollaps unter 39 °C zu senken. Casa et al. (Exercise and Sport Sciences Reviews, 2007) ermittelten für diese Methode eine Kühlrate von 0,35 °C pro Minute, etwa zehnmal schneller als nasse Tücher oder Eispackungen. Das Korey Stringer Institute, das mehr als 401 nach diesem Protokoll behandelte Fälle verfolgt, meldet eine Überlebensrate von 100 Prozent, wenn die Temperatur innerhalb dieses Fensters unter 40 °C sinkt.

In einem Land, in dem Waldbrand traditionell hinter Hochwasser oder Stürmen als Feuerwehrpriorität rangierte, ist die Doktrin zur thermischen Rehabilitation von Einsatzkräften weniger entwickelt als im französischen SDIS-Netz oder bei Feuerwehren in Südeuropa. Die Saison 2026 verändert diese Rechnung. Ein Vegetationsbrandindex auf Höchststufe in Verbindung mit Rekordtemperaturen hat auf deutschem Boden dieselben Risikobedingungen erzeugt, die sonst deutlich weiter südlich dokumentiert werden.

Ausrüstung, die mit der Feuerwehr im Feld Schritt hält

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Weiterführende Informationen


Quellen: Deutscher Feuerwehrverband, Hinweis zur Vegetationsbrandgefahr vom 22. Juni 2026; DGUV, Stellungnahme zur Einsatzbelastung bei Vegetationsbränden 2026; Deutscher Wetterdienst (DWD), Temperaturrekorde Juni 2026; Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Sterblichkeit (2026); ACSM Expert Consensus Statement 2023; IOC, Hosokawa Y, Racinais S et al., BJSM 2021; Casa DJ et al., Exercise and Sport Sciences Reviews, 2007; Korey Stringer Institute, Douglas Casa (UConn).

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