Trailrunning stellt medizinische Teams vor ein Problem, das Straßenrennen nicht kennen: Ein Fall von belastungsbedingtem Hitzschlag (Exertional Heat Stroke, EHS) kann an einer abgelegenen Verpflegungsstation auftreten, weit entfernt vom Ziel, mit langen Evakuierungszeiten, die 30 Minuten oder mehrere Stunden betragen können. Diese Distanz verändert, wie das Kühlprotokoll organisiert werden muss.

Woran erkennt man einen Hitzschlag beim Trailrunning?

Frühe Anzeichen sind Gangunsicherheit auf technischem Gelände, Verwirrtheit über den Streckenverlauf, ungewöhnliche Aggressivität oder umgekehrt Apathie, sowie Übelkeit trotz regelmäßiger Trinkpausen.

Kritisch wird es bei:

Auf dem Trail werden diese Zeichen wegen der größeren Distanz zwischen den Läuferinnen und Läufern und der geringeren Streckenüberwachung häufiger übersehen als bei Straßenrennen. Betreuende an Verpflegungsstationen sollten deshalb aktiv nach diesen Anzeichen fragen, statt nur auf Anfrage zu reagieren.

Was ist in den ersten Minuten zu tun?

Die Person sofort aus der Sonne oder von exponiertem Gelände in den nächstgelegenen Schatten bringen, auch wenn das eine kurze zusätzliche Bewegung bedeutet.

Rucksack, Stöcke, Kappe und enge Kleidung entfernen. Ohne Verzögerung mit den an der Station verfügbaren Kühlmitteln beginnen, während gleichzeitig Verstärkung und der Rettungsdienst angefordert werden.

Warum ist Immersion besser als feuchte Tücher oder Kühlpacks?

Wasser leitet Wärme deutlich schneller als Luft, und die vollständige Immersion hält durchgehenden Kontakt über die gesamte Körperoberfläche.

Casa et al. (Exercise and Sport Sciences Reviews, 2007) dokumentieren eine Kühlrate von bis zu 0,35 °C pro Minute bei Kaltwasserimmersion, gegenüber 0,03 bis 0,08 °C pro Minute bei feuchten Tüchern, Kühlpacks, Ventilatoren oder Sprühnebel. Als klinisch ausreichend gilt eine Kühlrate ab 0,15 °C pro Minute. Weil auf dem Trail der Transport zur Notaufnahme oft deutlich länger dauert als im Stadtgebiet, ist die schnellstmögliche Kühlrate direkt an der Station umso entscheidender.

Welche Wassertemperatur wird verwendet und wie lange dauert die Immersion?

Die Wassertemperatur liegt typischerweise zwischen 1 und 15 °C. Die Körperkerntemperatur wird alle 5 Minuten kontrolliert, idealerweise rektal, da periphere Messmethoden bei EHS unzuverlässig sind.

Die Immersion wird an der Verpflegungsstation oder am medizinischen Posten fortgesetzt, bis die Temperatur wieder unter 38,6 bis 39 °C liegt, auch wenn das die Evakuierung um weitere Minuten verzögert. Ein zu früher Transport vor ausreichender Kühlung verschlechtert das Ergebnis messbar.

Wann und wie wird mit dem Rettungsdienst koordiniert?

Das Prinzip "Cool First, Transport Second" (ACSM 2023, IOC/BJSM 2021) gilt gerade auf dem Trail uneingeschränkt: Die Kühlung beginnt sofort vor Ort und wird nicht für die Evakuierung unterbrochen, selbst wenn ein Hubschrauber oder Geländefahrzeug lange braucht, um die Station zu erreichen.

Der Rettungsdienst wird parallel zur Kühlung alarmiert und koordiniert die Übernahme, sobald die Kühlung ausreichend fortgeschritten ist, gegebenenfalls mit fortgesetzter Kühlung während des Transports.

Was ist bei abgelegenen Verpflegungsstationen besonders zu beachten?

Viele Verpflegungsstationen auf Trailstrecken sind nur zu Fuß, per Geländefahrzeug oder Hubschrauber erreichbar, was die Evakuierungszeit auf 30 Minuten bis mehrere Stunden verlängern kann. Sich auf den Transport zu einem zentralen medizinischen Posten am Ziel zu verlassen, ist bei EHS zu riskant.

Deshalb muss an exponierten oder weit entfernten Stationen eine eigene, tragbare Kühlausrüstung vorgehalten werden, mit ausreichend Wasser und Eis für eine vollständige Immersion vor Ort, unabhängig davon, wie lange die Evakuierung dauert.

Darf die Person nach scheinbarer Erholung weiterlaufen?

Nein, auch wenn sich der Zustand nach der Kühlung schnell bessert. Eine ärztliche Kontrolle vor jeder Rückkehr auf den Trail ist zwingend. Rhabdomyolyse und akutes Nierenversagen können sich erst Stunden nach dem Ereignis zeigen, was auf abgelegenem Gelände besonders gefährlich ist, wenn die Person allein weiterläuft, ohne dass Hilfe in der Nähe ist.

Weiterführende Informationen


Quellen: ACSM Expert Consensus Statement 2023; Hosokawa Y, Racinais S et al., British Journal of Sports Medicine 2021; Casa DJ et al., Exercise and Sport Sciences Reviews 2007; Korey Stringer Institute (Dr. Douglas Casa, UConn).

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