2021 veröffentlichte die Adverse Weather Impact Expert Working Group des Internationalen Olympischen Komitees die bislang umfassendste internationale Leitlinie zur präklinischen Versorgung des belastungsbedingten Hitzschlags bei Sportwettkämpfen. Die im British Journal of Sports Medicine erschienene Arbeit, verfasst von Forschenden von ASPETAR (Katar), dem Korey Stringer Institute, World Athletics und sportmedizinischen Einrichtungen auf vier Kontinenten, beschreibt, wie ein kompetenter Sanitätsdienst bei Veranstaltungen aussieht. Was sie verlangt und was das für die Saison bedeutet.

Warum es internationale Leitlinien gibt

Der Hitzschlag bei Spitzenwettkämpfen ist kein theoretisches Risiko. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha fanden unter Bedingungen statt, die die sportmedizinische Planung an ihre Grenzen brachten: 32 °C bei 73 Prozent relativer Luftfeuchte um 22:30 Uhr während der Marathonläufe. 28 von 68 Startern im Marathon der Männer erreichten das Ziel nicht.

Dr. Sébastien Racinais, Forschungsdirektor am ASPETAR Orthopaedic and Sports Medicine Hospital in Doha, war an der Organisation der medizinischen Versorgung beteiligt. In einem Editorial in Frontiers in Sports and Active Living beschrieben Racinais und Girard den Hitzschlag als zweithäufigste Todesursache im Sport nach Herzerkrankungen, anders als diese aber vollständig vermeidbar und behandelbar, wenn das richtige Protokoll steht.

Was der IOC-Konsens verlangt: fünf operative Säulen

Die Arbeit der IOC-Arbeitsgruppe von Hosokawa, Racinais, Akama, Casa, Bermon et al. (British Journal of Sports Medicine, 2021) stellt fünf Anforderungen:

1. Umweltüberwachung vor dem Wettkampf Vor und während des Wettkampfs muss ein WBGT-System (Wet Bulb Globe Temperature) in Betrieb sein. Schwellenwerte entscheiden, ob Wettbewerbe stattfinden, angepasst oder verschoben werden.

2. Frühes Erkennen auf der gesamten Strecke Streckenposten, Helfer an Verpflegungsstellen und mobile Sanitätskräfte müssen frühe neurologische Zeichen erkennen: Verwirrtheit, Desorientierung, unsicherer Gang, unangemessenes Verhalten. Jeder Athlet, der während oder nach dem Wettkampf zusammenbricht, gilt als vermuteter Hitzschlag.

3. Rektaltemperatur als diagnostischer Standard Die IOC-Gruppe ist eindeutig: Nur die rektale Messung bestätigt oder schließt einen Hitzschlag im Einsatz verlässlich aus. Ohr-, Stirn- und Mundthermometer reichen nicht. Jeder Sanitätsposten und jedes Zielzelt braucht Rektalthermometer.

4. Sofortige Ganzkörper-Kaltwasserimmersion Keine andere Methode erreicht die im kritischen 30-Minuten-Fenster nötige Kühlrate. Die Kühlausrüstung muss vor Ort sein; ein Modell, in dem die Immersion erst in der Klinik beginnt, sieht die IOC-Leitlinie nicht vor.

5. Abstimmung mit dem Rettungsdienst und Transportprotokoll Der Transport wird parallel zur Kühlung angefordert, nicht an ihrer Stelle. Wo möglich wird während des Transports weiter gekühlt, und die Zielklinik wird vorab informiert.

Doha 2019: wie eine konforme Versorgung in der Praxis aussieht

ASPETAR und World Athletics stellten entlang aller Straßenstrecken Kühlstationen auf, positionierten Sanitätskräfte mit Rektalthermometern an allen wichtigen Kontrollpunkten und schufen eine direkte Verbindung zwischen Streckenteams und aufnehmenden Kliniken. Das Ergebnis: keine Todesfälle, mehrere Hitzschläge vor Ort versorgt, mit vollständiger Erholung. Der Unterschied zwischen tödlichem Ausgang und vollständiger Genesung bemaß sich in Minuten und daran, ob die richtige Ausrüstung vor Ort war.

Die Forschungslücke bei Frauen

Eine Arbeit von Hutchins, Minett und Stewart (Queensland University of Technology) in Frontiers in Physiology (2022) wies darauf hin, dass die grundlegende Forschung zur Wirksamkeit der Kaltwasserimmersion fast ausschließlich an Männern durchgeführt wurde. Die aktuellen Leitlinien werden bei Frauen ohne spezifische Validierung angewandt.

Die praktische Konsequenz ist nicht, das Protokoll zu ändern: Die Kaltwasserimmersion bleibt die beste verfügbare Behandlung. Medizinische Leitungen sollten aber wissen, dass die Überwachung während der Immersion bei Athletinnen womöglich besondere Aufmerksamkeit verdient und dass hier weiter geforscht wird.

Was medizinische Leitungen vorhalten müssen

Ausrüstung:

Personal:

Protokoll:

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Weiterführende Informationen


Quellen: Hosokawa Y, Racinais S, Akama T, Casa DJ et al., Prehospital management of exertional heat stroke at sports competitions: IOC Adverse Weather Impact Expert Working Group, British Journal of Sports Medicine, 2021; Racinais S, Girard O, Editorial: Hurdling the Challenges of the 2019 IAAF World Championships, Frontiers in Sports and Active Living, 2019; Hutchins KP, Minett GM, Stewart IB, Treating exertional heat stroke: Limited understanding of the female response to cold water immersion, Frontiers in Physiology, 2022; ASPETAR Orthopaedic and Sports Medicine Hospital.

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