Dr. Douglas Casa, CEO des Korey Stringer Institute an der University of Connecticut, erforscht den belastungsbedingten Hitzschlag seit fast vier Jahrzehnten. Seine Arbeit umfasst mehr als 3.000 verfolgte Fälle. Sein Befund ist präzise: In jedem verfolgten Fall, in dem die Körpertemperatur innerhalb von 30 Minuten unter 40 °C gesenkt wurde, haben die Betroffenen überlebt. Und doch sterben jeden Sommer Menschen daran. Zu verstehen, warum, ist das Wichtigste, was ein medizinisches Team vor Saisonbeginn tun kann.

Ein Forscher, der seine Forschung selbst erlebt hat

Casas Weg zur weltweit führenden Autorität begann am 8. August 1985. Mit 16 Jahren brach er bei den New Yorker 10-km-Meisterschaften in Buffalo während einer Hitzewelle mit einem belastungsbedingten Hitzschlag zusammen. Er überlebte dank der guten Versorgung vor Ort.

Gegenüber UConn Today sagte er sinngemäß, eine Nahtoderfahrung mit 16 habe ihm die Berufswahl abgenommen: Schon wenige Tage danach habe er gewusst, dass er genau dieses Gebiet erforschen wolle.

Seitdem hat Casa mehr als 200 begutachtete Veröffentlichungen zu Hitzeerkrankungen verfasst und Hunderte Patienten mit belastungsbedingtem Hitzschlag selbst behandelt, ohne einen Todesfall.

Der Kernbefund: 100 Prozent Überleben sind erreichbar

In einem Mediengespräch von SciLine im November 2025 erklärte Casa, bei mehr als 3.000 verfolgten Fällen hätten alle überlebt, deren Körpertemperatur innerhalb von 30 Minuten nach Auftreten des Krankheitsbildes unter 104 °F (40 °C) gesenkt wurde.

Das ist kein theoretisches Ziel, sondern ein dokumentiertes Ergebnis aus über 3.000 realen Fällen aus Sport, Arbeitswelt und Militär. Die Umkehrung ist ebenso wichtig: Gegenüber CBS News sagte Casa, bei jedem Todesfall könne man davon ausgehen, dass die Person nicht konsequent gekühlt wurde.

Jeder vermeidbare Todesfall ist ein Versagen des Systems, keine medizinische Unvermeidbarkeit.

Warum trotzdem Menschen sterben: drei Fehlerquellen

1. Transport vor der Kühlung

Der Reflex, den Patienten einzuladen und in die Klinik zu fahren, ist tief in der Kultur des Rettungswesens verankert. Beim belastungsbedingten Hitzschlag ist es die falsche Priorität. Ein Patient, der bereits gekühlt ankommt, hat eine grundlegend andere Prognose als einer, der nach 20 Minuten Fahrt mit über 42 °C eintrifft. Das Protokoll: Cool First, Transport Second. Der Notruf erfolgt parallel zur Immersion, nicht an ihrer Stelle.

2. Unzureichende Kühlmethoden

Nasse Tücher, Kältepacks und Sprühventilatoren sind überall verfügbar, als Erstbehandlung beim Hitzschlag aber unzureichend. Die Kaltwasserimmersion kühlt bis zu 0,35 °C pro Minute, nasse Tücher und Luftzufuhr nur etwa 0,03 bis 0,08 °C pro Minute. Im 30-Minuten-Fenster ist dieser Unterschied der Unterschied zwischen vollständiger Erholung und bleibenden neurologischen Schäden.

3. Fehlende oder nicht verfügbare Ausrüstung

Das ist das häufigste operative Versagen. Das Protokoll ist bekannt, die Schulung hat stattgefunden, aber wenn der Sportler zusammenbricht, ist die Wanne nicht da. Wie Casa immer wieder betont, ist das zunehmend ein logistisches Problem und kein Wissensproblem.

Was das Korey Stringer Institute verändert hat

Seit 2010 hat das Korey Stringer Institute nach eigenen Angaben mehr als 466 Regelungen und Gesetze in US-Bundesstaaten zu Hitzschlag, Herzstillstand und Kopfverletzungen im Sport beeinflusst. Beim Hitzschlag schreiben inzwischen 15 Bundesstaaten Kaltwasserwannen bei risikoreichen Trainingseinheiten vor.

Casa vergleicht den Wandel mit der Verbreitung von Defibrillatoren beim Herzstillstand: Cool First, Transport Second sei wie der Einsatz eines AED bei einem Herzereignis. Die Ausrüstung muss vorhanden sein, die Helfer geschult und das Protokoll automatisch.

Checkliste vor der Saison

Nach den Empfehlungen des KSI:

Die Ausrüstung dorthin bringen, wo sie gebraucht wird

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Weiterführende Informationen


Quellen: SciLine, Dr. Douglas Casa: Heat stroke care (Cool first, transport second), November 2025; UConn Today, One Collapse, Countless Saves, Oktober 2025; CBS News Minnesota, Korey Stringer Institute heat research; Korey Stringer Institute, University of Connecticut; Casa DJ et al., Exercise and Sport Sciences Reviews, 2007; Filep EM et al., Medicina, 2020.

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