Längere Brandperioden, höhere Umgebungstemperaturen und wachsende Brandflächen setzen Einsatzkräfte in ganz Europa einem nie dagewesenen Risiko des belastungsbedingten Hitzschlags aus. Auch in Deutschland, wo Wald- und Vegetationsbrände lange als Randthema galten, ist die Saison länger geworden. Was ärztliche Dienste und Sicherheitsverantwortliche von Feuerwehren wissen und bereitstellen müssen.
Warum Einsatzkräfte einem extremen Hitzschlagrisiko ausgesetzt sind
Einsatzkräfte bei Vegetations- und Gebäudebränden sind einer Kombination von Hitzestressfaktoren ausgesetzt, die kein anderer Beruf in dieser Form kennt:
Schutzkleidung und PSA bedecken mehr als 60 Prozent der Körperoberfläche und schränken die Verdunstungskühlung drastisch ein. Die Kleidung, die vor Flammen schützt, hält die Wärme am Körper.
Anhaltende hochintensive Belastung in ohnehin heißer Umgebung. Eine Einsatzkraft an der Brandfront steuert ihre Belastung nicht wie ein Sportler. Der Einsatz gibt das Tempo vor.
Unvorhersehbare Einsatzdauer. Ein Brand kann sich in Minuten drehen. Geplante Ablösungen nach zwei Stunden werden ohne Vorwarnung zu vier oder sechs Stunden.
Strahlungswärme des Feuers. Aktive Flammenfronten erzeugen intensive Strahlungswärme weit über den sichtbaren Brandrand hinaus. Wer nahe an der Feuerfront arbeitet, ist Temperaturen weit über der Umgebungstemperatur ausgesetzt.
Dehydrierung unter Einsatzdruck. Während der aktiven Brandbekämpfung sind Trinkpausen begrenzt. Kumulative Dehydrierung beschleunigt das Auftreten von Hitzeerkrankungen.
Den Hitzschlag an der Einsatzstelle erkennen
Die klinischen Regeln sind dieselben wie überall, mit einem wichtigen Zusatz: Die Diagnose nicht verwerfen, weil die Außentemperatur harmlos wirkt. Eine Einsatzkraft kann bei einem Brand an einem Morgen mit 21 °C schon in der ersten Stunde einer schweren Löschphase einen Hitzschlag entwickeln.
Warnzeichen nach Schwere:
- Plötzliche ungewöhnliche Erschöpfung, starke Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe
- Verwirrtheit, Desorientierung, ungewöhnliches Verhalten: das entscheidende diagnostische Zeichen
- Stolpern, Koordinationsverlust (Ataxie)
- Ausbleibendes Schwitzen trotz anhaltender Belastung: spätes Zeichen einer schweren Wärmeansammlung
- Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle: unmittelbare Lebensgefahr
Jede Einsatzkraft mit neurologischen Zeichen während oder nach einer schweren Arbeitsphase ist ein vermuteter Hitzschlag. Sofort mit der Kühlung beginnen, nicht auf eine Bestätigung warten.
Das Behandlungsprotokoll an der Einsatzstelle
Das Prinzip lautet Cool First, Transport Second.
Jede Minute unkontrollierter Hyperthermie erhöht das Risiko eines Multiorganversagens. Die Kühlung zu verzögern, um auf Transport oder erweiterte Versorgung zu warten, ist eine dokumentierte Ursache vermeidbarer Todesfälle.
Schritt 1: Aus der Hitze bringen. Die Einsatzkraft an den kühlsten verfügbaren Ort bringen, PSA, Helm und so viel Kleidung wie möglich entfernen.
Schritt 2: Kerntemperatur messen. Die Rektaltemperatur ist der Referenzstandard. Mit der Kühlung beginnen, auch wenn noch keine Messung möglich ist, nicht warten.
Schritt 3: In kaltes Wasser tauchen. Die Ganzkörper-Kaltwasserimmersion ist der Goldstandard. Das kälteste verfügbare Wasser nutzen, wenn möglich Eis zugeben.
Schritt 4: Überwachen. Rektaltemperatur alle 5 Minuten. Die Immersion fortsetzen, bis die Kerntemperatur etwa 39 °C erreicht. Nicht früher aufhören.
Schritt 5: Rettungsdienst und Transport. Gleichzeitig mit der Immersion alarmieren. Auch nach scheinbarer Erholung in die Klinik bringen: Komplikationen wie Rhabdomyolyse und Nierenschäden können Stunden später auftreten.
Die logistische Herausforderung: Die Ausrüstung muss am Einsatzort sein
Der Sanitätsbereich oder die Verletztenablage im Einsatzabschnitt muss eine Kühlmöglichkeit sofort in Betrieb nehmen können, wenn eine Einsatzkraft zusammenbricht.
Die Einschränkungen sind real:
- Standardfahrzeuge führen keine festen Wannen mit
- Wasser am Brandrand ist nicht garantiert
- Eine Sanitätskraft muss eventuell mehrere Betroffene gleichzeitig versorgen
- Das Gelände ist oft uneben, geneigt oder voller Trümmer
Genau dafür wurde die Notfall-Kühlwanne von Kollder entwickelt. Ihr Stahlrahmen mit 6 Auflagepunkten steht auf jedem Untergrund stabil, sie bietet Platz für bis zu 2 Personen in gleichzeitiger Immersion, faltet sich vollständig in eine Transporttasche und passt in jedes Einsatz- oder Unterstützungsfahrzeug. So schließt sie die Lücke zwischen dem Wissen um das Protokoll und seiner Umsetzung.
Was Feuerwehren jetzt bereitstellen sollten
Ausrüstung:
- Eine einsatzbereite Kaltwasser-Immersionsmöglichkeit an jedem Sanitätsbereich bei Vegetationsbränden oder langen Gebäudebränden
- Eisversorgung als Teil der Einsatzlogistik bei mehrstündigen Einsätzen
- Rektalthermometer als Standard in der Sanitätsausrüstung
Ausbildung:
- Jede Führungskraft sollte einen Hitzschlag erkennen und die Kühlung einleiten können, ohne auf einen Notfallsanitäter zu warten
- Cool First, Transport Second muss ein feststehendes Verfahren sein, keine Entscheidung unter Druck
Planung:
- Wasserentnahmestellen an Bereitstellungsräumen für alle Einsatzgebiete erfassen
- Kühlkapazität in die Planung des Sanitätsdienstes bei größeren Schadenslagen aufnehmen
- Ablösungen nach Hitzebelastung planen, nicht nur nach der Uhr
Die Saison beginnt vor dem ersten Brand
Von Mai bis Oktober reicht das Hochrisikofenster in weiten Teilen Europas. Prüfung und Vorbereitung der Ausrüstung erfolgen vor dem ersten Brand der Saison, nicht währenddessen. Sanitätsmaterial prüfen, Mannschaften einweisen, Kühlausrüstung positionieren: Das Protokoll rettet nur Leben, wenn die Mittel bereits vor Ort sind.
Alle Ausrüstungskriterien für Feuerwehren finden Sie auf unserer Seite Kollder für Feuerwehr und Rettungsdienst.
Weiterführende Informationen
- Deutsche Feuerwehren im Hitzeeinsatz: neues Hitzschlagrisiko bei höchster Vegetationsbrandgefahr
- Feuerwehr-Rehabilitation und belastungsbedingte Hyperthermie
- Hitzeaktionspläne für Feuerwehren: das eigene Personal schützen
- Kollder für Feuerwehr und Rettungsdienst
- Angebot anfordern
Quellen: ACSM Expert Consensus Statement, 2023, Hosokawa Y, Racinais S et al., IOC/BJSM, 2021, Casa DJ et al., Exercise and Sport Sciences Reviews, 2007, Korey Stringer Institute.
Kollder ist die Notfall-Kühlwanne für Stabilität, faltbar für den Transport und mit Platz für 2 Personen gleichzeitig.
Angebot anfordern